Friedensvertrag unterzeichnet
Heute, wo die Vorbereitungen auf das 250-jährige Gedenken an die Schlacht bei Torgau vom 3. November 1760 auf Hochtouren laufen, scheint ein wenn auch „nur“ 23 Tage währendes Kapitel regionaler Geschichte von überregionaler historischer Bedeutung eher in den Hintergrund zu treten – nämlich dass Friedrich II. (Friedrich der Große, auch „Alter Fritz“) vom 19. Februar 1763 an eben 23 Tage lang sozusagen aus der Ferne sein Königreich regierte. Friedrichs Aufenthalt auf Schloss Dahlen war damals auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen den Kriegsmächten Österrreich, Sachsen und Preussen auf Schloss Hubertusburg zu Wermsdorf zurückzuführen, welche dort am 15. Februar 1763 erfolgte. Friedrich unterschrieb den Friedensvertrag am 21. Februar auf Schloss Dahlen.
Im Dahlener Heimatmuseum, welches übrigens in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, ist ein Ausstellungsraum der besonderen Geschichte des hiesigen Schlosses gewidmet. Geleitet wird das Museum seit 2002 von Hartmut Finger. In diesem Jahr wurde die Inventarisierung des Museumsgutes vorgenommen und bis jetzt fast vollständig abgeschlossen.
In Zusammenhang mit dem Frieden zu Hubertusburg, der gleichsam das Ende des Siebenjährigen Krieges bedeutete, kann die Historie des Schlosses zu Dahlen nicht länger losgelöst aus der Reihe jener Ereignisse betrachtet werden, derer -beginnend mit dem 250. Jahrestag der Schlacht bei Torgau auf den Süptitzer Höhen- ab dem 3. November 2010 in den Folgejahren gedacht werden soll: Der 250. Jahrestag der Plünderung der Hubertusburg am 18. Februar 2011, die 300. Wiederkehr des Geburtstages Friedrichs II. am 24. Februar 2012 und dem 250. Jahrestag der Unterzeichnung des Hubertusburger Friedens am 15. Februar 2013.
Für die in Liegnitz geborenen Autoren Claus und Gert Legal löste die Tatsache, dass Friedrichs 23-Tage-Aufenthalt auf Schloss Dahlen mehr und mehr in der Geschichtsschreibung in Vergessenheit zu geraten drohte, die Idee für ein Buch-Projekt aus. „In „Der Friede zu Hubertusburg – Friedrich II., Preußens König, Sachsens Feind, Regent auf Schloss Dahlen“ wird so mancher Leser mit Erstaunen feststellen, dass nicht allein die „Großen“, deren Namen und Rangstellung in den einschlägigen Geschichtswerken wie selbstverständlich aufgeführt sind, am Rad der Historie drehten. „Dass es dessen ungeachtet einer Mitwirkung der sogenannten kleinen Leute bedurfte, wenn deren Beteiligung auch zumeist schicksalsergeben auf Repression und Untertanengeist beruhte. Worüber selbstherrlich eine aristokratische Obrigkeit bestimmte, die sich für alle Zeit zur Regentschaft von ,Gottes Gnaden‘ legitimiert sah“, schreibt Claus Legal.
Zahlreiche Beispiele
Auch wird der entbehrungsreiche Lebensalltag unter Kriegsbedingungen dem Leser anschaulich nahegebracht an Beispielen aus Leipzig oder an Begebenheiten, welche dem „Gemayne Buch“ (Gemeindebuch) des Dorfes Schmannewitz entnommen sind. Claus Legal: „Das macht insofern Sinn, als sowohl Dahlen wie Schmannewitz unter der Lebens- und Gerichtshoheit der Grafen von Bünau standen, den Besitzern des Dahlener Schlosses. Da ein Großteil der Betroffenen in besagtem Gemeindebuch mit Namen aufgeführt ist, verleiht es ihren Handlungsweisen ein hohes Maß an Authentizität. Und eindrucksvoll vermitteln alle Beispiele: Der Krieg spiegelt sich im Mikrokosmos der Bevölkerung in Stadt und Land.“
Gert und Claus Legals Buch „Der Friede zu Hubertusburg“ erscheint im Herbst dieses Jahres – rechtzeitig vor dem Gedenken an die Schlacht bei Torgau vor 250 Jahren.
Ger Tiedke, Torgauer Zeitung






