Montag, 16. August 2010

"Ich bleibe hier oder in Torgau bis zum dreizehnten"

Nordsachsen (Torgauer Zeitung vom 16.August 2010). „Ich bleibe hier oder in Torgau bis zum dreizehnten. Meine Reise nach Schlesien wird vierzehn bis siebzehn Tage dauern, sodass ich erst am 31. März oder zweiten April in Berlin sein kann. Am ersten April mag ich nicht ankommen, dann würden Witze über mich gemacht und gesagt werden, ich hätte mich in den April schicken lassen.“ Diese Zeilen schrieb der Preussenkönig Friedrich II. am 1. März 1763 während seines Aufenthaltes im Schloss Dahlen an den Marquis d`Argens. Und fünf Tage später ebenso von hier an die Gräfin Camas hinsichtlich eines bevorstehenden Wiedersehens: „Was mich betrifft, so werden Sie mich gealtert und fast schwatzhaft finden; ich bin grau wie meine Esel, verliere alle Tage einen Zahn und bin halb lahm vor Gicht; aber Ihre Nachsicht wird die Schwächen des Alters ertragen und wir werden von der alten Zeit reden.“

Friedensvertrag unterzeichnet
Heute, wo die Vorbereitungen auf das 250-jährige Gedenken an die Schlacht bei Torgau vom 3. November 1760 auf Hochtouren laufen, scheint ein wenn auch „nur“ 23 Tage währendes Kapitel regionaler Geschichte von überregionaler historischer Bedeutung eher in den Hintergrund zu treten – nämlich dass Friedrich II. (Friedrich der Große, auch „Alter Fritz“) vom 19. Februar 1763 an eben 23 Tage lang sozusagen aus der Ferne sein Königreich regierte. Friedrichs Aufenthalt auf Schloss Dahlen war damals auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen den Kriegsmächten Österrreich, Sachsen und Preussen auf Schloss Hubertusburg zu Wermsdorf zurückzuführen, welche dort am 15. Februar 1763 erfolgte. Friedrich unterschrieb den Friedensvertrag am 21. Februar auf Schloss Dahlen.
Im Dahlener Heimatmuseum, welches übrigens in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, ist ein Ausstellungsraum der besonderen Geschichte des hiesigen Schlosses gewidmet. Geleitet wird das Museum seit 2002 von Hartmut Finger. In diesem Jahr wurde die Inventarisierung des Museumsgutes vorgenommen und bis jetzt fast vollständig abgeschlossen.

In Zusammenhang mit dem Frieden zu Hubertusburg, der gleichsam das Ende des Siebenjährigen Krieges bedeutete, kann die Historie des Schlosses zu Dahlen nicht länger losgelöst aus der Reihe jener Ereignisse betrachtet werden, derer -beginnend mit dem 250. Jahrestag der Schlacht bei Torgau auf den Süptitzer Höhen- ab dem 3. November 2010 in den Folgejahren gedacht werden soll: Der 250. Jahrestag der Plünderung der Hubertusburg am 18. Februar 2011, die 300. Wiederkehr des Geburtstages Friedrichs II. am 24. Februar 2012 und dem 250. Jahrestag der Unterzeichnung des Hubertusburger Friedens am 15. Februar 2013.
Für die in Liegnitz geborenen Autoren Claus und Gert Legal löste die Tatsache, dass Friedrichs 23-Tage-Aufenthalt auf Schloss Dahlen mehr und mehr in der Geschichtsschreibung in Vergessenheit zu geraten drohte, die Idee für ein Buch-Projekt aus. „In „Der Friede zu Hubertusburg – Friedrich II., Preußens König, Sachsens Feind, Regent auf Schloss Dahlen“ wird so mancher Leser mit Erstaunen feststellen, dass nicht allein die „Großen“, deren Namen und Rangstellung in den einschlägigen Geschichtswerken wie selbstverständlich aufgeführt sind, am Rad der Historie drehten. „Dass es dessen ungeachtet einer Mitwirkung der sogenannten kleinen Leute bedurfte, wenn deren Beteiligung auch zumeist schicksalsergeben auf Repression und Untertanengeist beruhte. Worüber selbstherrlich eine aristokratische Obrigkeit bestimmte, die sich für alle Zeit zur Regentschaft von ,Gottes Gnaden‘ legitimiert sah“, schreibt Claus Legal.

Zahlreiche Beispiele
Auch wird der entbehrungsreiche Lebensalltag unter Kriegsbedingungen dem Leser anschaulich nahegebracht an Beispielen aus Leipzig oder an Begebenheiten, welche dem „Gemayne Buch“ (Gemeindebuch) des Dorfes Schmannewitz entnommen sind. Claus Legal: „Das macht insofern Sinn, als sowohl Dahlen wie Schmannewitz unter der Lebens- und Gerichtshoheit der Grafen von Bünau standen, den Besitzern des Dahlener Schlosses. Da ein Großteil der Betroffenen in besagtem Gemeindebuch mit Namen aufgeführt ist, verleiht es ihren Handlungsweisen ein hohes Maß an Authentizität. Und eindrucksvoll vermitteln alle Beispiele: Der Krieg spiegelt sich im Mikrokosmos der Bevölkerung in Stadt und Land.“
Gert und Claus Legals Buch „Der Friede zu Hubertusburg“ erscheint im Herbst dieses Jahres – rechtzeitig vor dem Gedenken an die Schlacht bei Torgau vor 250 Jahren.


Ger Tiedke, Torgauer Zeitung

Die letzten Geheimnisse des Alten Fritz

Über 250 Besucher kamen am Samstag zur Präsentation des Titels „Friedrich II. – Preußens König – Sachsens Feind – Regent auf Schloss Dahlen“. Im Saal des Schlosses Dahlen gaben die Autoren, der ehemalige ZDF-Journalist Claus Legal und dessen Bruder Gert einen Einblick in ihr Manuskript und beantworteten die Fragen der Besucher. Im Anschluss signierten die Autoren das druckfrisch angelieferte Buch.

Als „erster Diener des Staates“ ging Friedrich II., unter dem Pseudonym „Alter Fritz“ bekannt, in die Geschichte des aufgeklärten Absolutismus ein. Modernes Denken und Innovationsgeist prägen das Bild über den preußischen König, der 2012 seinen 300. Geburtstag feiern lassen kann.

Aufgrund dieses Ereignisses und der Tatsache, dass der Aufenthalt Friedrichs II. auf Schloss Dahlen ein „Mauerblümchen-Dasein“ hegt, gingen die Brüder Claus und Gert Legal dieses Buchprojekt an. Nach drei Jahren intensiver Recherche in Kirchenbüchern, Geburtsurkunden, historischen Dokumenten und Staatsarchiven veröffentlichten sie schließlich ihre Erkenntnisse und lieferten damit einen umfangreichen Einblick in die Welt des 18. Jahrhunderts. Nun erscheint das Buch „Friedrich II. – Preußens König – Sachsens Feind – Regent auf Schloss Dahlen“ im Greifenverlag.

In der Ruine des sächsischen Landsitzes Dahlen verbargen sich einige, von den Brüdern Legal nun aufgedeckte Geheimnisse. Obwohl bekannt war, dass der Alte Fritz es 23 Tage lang zu seiner kurzfristigen Residenz erklärte, waren markante Details des Innenhofes und der Gebäudearchitektur noch nicht veröffentlicht worden.

Weitaus größere Bedeutung kann man jedoch der Entdeckung der beiden Autoren zumessen, die sie mit Hilfe eines Dokumentes aus dem Staatsarchiv Dresden erlangt haben. Dabei handelt es sich um die Plünderung des Jagdschlosses Hubertusburg, das im Jahre 1761 auf Befehl Friedrich II. ausgeraubt wurde. Die bis dahin als zutreffend erachteten Berichte über das Ereignis erwiesen sich nach Fund dieser Quelle als unzureichend und teilweise als schlichtweg nicht korrekt. Ein sehr faktenreicher Augenzeugenbericht des ehemaligen Schlossverwalters George Samuel Götze liegt den neuen Erkenntnissen zugrunde. In diesem beschreibt er die erschreckenden Zustände im Kriegsalltag verbunden mit all den vielfachen Entbehrungen, die die Bevölkerung stark belasteten.

In Bezug auf Schloss Dahlen ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass dies letztendlich der Ort war, an dem Friedrich 1763 seine Unterschrift zur Gewährleistung des Friedens gegenüber Hubertusburg setzte. Etwa zeitgleich vollzogen diesen bedeutsamen Staatsakt seine damaligen Feinde Maria Theresia von Österreich und Friedrich August II. von Polen. In diesem Moment der Vertragsunterzeichnung kam es zwischen den drei Residenzen Wien, Warschau und Dahlen zu einer Begegnung auf Augenhöhe, weshalb Dahlen bis heute als eine historisch wertvolle Stätte angesehen wird.

Mit Hilfe von zahlreichen Dokumenten, dem „Gemayne Buch“ (Gemeindebuch) des drei Kilometer von Dahlen entfernten Dorfes Schmannewitz und illustrierten Beispielen aus der Messemetropole Leipzig gelang es den Brüdern Legal ein beeindruckendes Spiegelbild der Lebensbedingungen der Menschen im Kriegsalltag zu schaffen. Somit ist dieses Buch in der Lage, spannenden und interessanten Lesestoff für einen weit umfassenden Personenkreis zu liefern.

Claus und Gert Legal
Friedrich II. – Preußens König – Sachsens Feind – Regent auf Schloss Dahlen
Hardcover, ca. 300 Seiten
ISBN 978-386939-371-1
24,90 EUR

Freitag, 13. August 2010

Autoren rücken Schloss in Fokus

Jana Brechlin

Dahlen (Torgauer Zeitung). Eine bessere Werbung für das Dahlener Schloss hätte sich Karl Berger kaum wünschen können. In seinem zweiten Jahr kann der Schlossverein schon einiges vorweisen: Viele Sicherungsarbeiten sind erledigt, Führungen stark nachgefragt, und jetzt wird das Haus in einem neuen Buch in den Mittelpunkt gerückt. Darin beschreiben Claus und Gert Legal die Residenz des Preußenkönigs Friedrich auf Schloss Dahlen.

Für die Vorstellung ihres Werkes haben die Brüder die Heidestadt gewählt. Dort, in einem Saal der Schlossruine, werden sie aus ihrem eben erst erschienenen Buch lesen und Fragen dazu beantworten. „Der Friede zu Hubertusburg“ beschäftigt sich mit den Umständen des historisch bedeutsamen Friedensschlusses, zu dem der Alte Fritz in Dahlen weilte.
Über drei Jahre lang recherchierten die Brüder zum Thema. Beide verschlug es für die Nachforschungen zurück in ihre alte Heimat: Von 1952 bis 1954 lebten die gebürtigen Liegnitzer in Grimma, ehe sie später nach Thüringen kamen. 1959 floh Claus Legal in den Westen, studierte, lebte zeitweise in den USA und arbeitete bis zur Pensionierung als Redakteur beim ZDF. Sein Bruder Gert Legal studierte Medizin in Leipzig und Erfurt und folgte ihm 1972 in die Bundesrepublik. Er arbeitete bis zum Ruhestand als Arzt in München in der eigenen Praxis. Beide Brüder haben bereits Bücher herausgebracht und sich für die Recherchen um den Friedensschluss nach dem Siebenjährigen Krieg zusammengetan.

Immerhin 23 Tage hatte sich der Preußenkönig 1763 in Dahlen einquartiert – in zwei kleineren Räumen des Schlosses. Wenn der Vorsitzende des Schloss- und Parkvereins Karl Berger heute durch die Räume geht, kann er nachvollziehen, wo der Alte Fritz residierte und seine Blicke durch die Fenster schweifen ließ. „Das können unsere Besucher ebenfalls tun“, lädt Berger ein. Denn im zweiten Vereinsjahr haben Berger und seine Mitstreiter sämtliche Räume begehbar gemacht.
Schlossneulinge und seltene Gäste können zuweilen das Gefühl haben, sich im einstigen Herrenhaus zu verlaufen – Karl Berger kann das nicht passieren. Sicher hantiert er mit dem Schlüsselbund, nimmt Schleichwege durch Wirtschaftsräume und Hintertreppen ins nächste Geschoss. Im Kellergewölbe ist in einem Raum der Geist des Preußenkönigs eingesperrt – ein Gruselgag, der besonders bei den Dämmerführungen für Schülergruppen für Begeisterung sorgt. Die „große Tonne“ wurde schon mehrfach als Veranstaltungsraum genutzt, ein paar Schritt weiter weisen Lichter den Weg zu einer Schatztruhe.

Fünf Ein-Euro-Jobber unterstützen den Verein, außerdem gibt es Sponsoren, die Arbeitsleistung, Material oder Geld zur Verfügung stellen. Öfter sogar von ganz allein. „Dieser Zuspruch motiviert uns sehr“, versichert Berger. Manchmal staunt er selbst, wie viel bereits passiert ist: In besenreinen Räumen werden alte aufgearbeitete Fenster und Türen eingesetzt, es gibt eine kleine Bühne und ausreichend Sitzgelegenheiten. „Wenn mir jemand bei der Vereinsgründung gesagt hätte, dass wir im August 2010 schon so weit sind, hätte ich den für verrückt erklärt“, gesteht der Dahlener. Doch manche Visionen werden noch sehr lange Wünsche bleiben. Berger weist auf das früher so prächtige Treppenhaus, das seit dem Brand 1973 und dem anschließenden Abbruchversuch zerstört ist. „Das aufzubauen, packen wir nicht. Das müssen die machen, die nach uns kommen“, meint er, „wenn Geld da ist“.
Ein bisschen könnte bereits die Buchpräsentation am Sonnabend in die Kasse spülen. So wird es dann Dahlener Schlosswein zu kaufen geben. „Dafür liefert uns ein Winzer aus der Pfalz Rot- und Weißwein. Ein Teil des Erlöses soll dem Verein zugutekommen“, kündigt Berger an. Außerdem hofft er auf weitere Aufmerksamkeit für das Schloss, wenn es selbst jetzt im Buch der Legal-Brüder eine Rolle spielt. „Das kommt für uns zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben die Räume so weit hergerichtet, dass man hier etwas veranstalten und zeigen kann – wir sind bereit“, versichert Karl Berger.

Die Stadt Dahlen sowie der Schloss- und Parkverein laden am Sonnabend zu einem kulturhistorischen Schlossnachmittag ein. Motto der Veranstaltung ist „Aufgedeckt: Die letzten Geheimnisse des Alten Fritz“. Ab 16 Uhr stellen die Autoren Claus und Gert Legal ihr Buch „Der Friede zu Hubertusburg“ vor. Ab 17 Uhr spielt der Musikverein Lampertswalde auf dem Schlosshof.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Hermann-Kesten-Stipendium für Geraer Autorin Ulla Spörl

Die Geraer Autorin Ulla Spörl (unser Foto) erhält für die Zeit vom 9. bis 23. Mai das Herrmann-Kesten-Stipendium für Autoren und Journalisten der Stadt Nürnberg.

Gemeinsam mit weiteren Autoren und Journalisten aus den 17 Partnerstädten Nürnbergs nimmt sie an einem umfangreichen Begleitprogramm teil. Ulla Spörl hatte sich mit ihrem Essay zum Thema „Erinnerungskultur“ für das Stipendium beworben und wurde durch die Stadt Gera unterstützt.


Die Gäste werden durch Nürnbergs Oberbürgermeister empfangen. Es sind u.a. Besuche bei der „Nürnberger Zeitung“, in der Streicher-Bibliothek, im Germanischen Nationalmuseum und in der Spezialausstellung „Das Gleis“ im Nürnberger Dokumentationszentrum vorgesehen. Auf dem Programm stehen auch Gesprächsrunden mit Journalisten, Autoren, Politikern und interessierten Bürgern.


Ulla Spörl wurde 1955 in Schleiz geboren. Ihr zweiter Roman „Akte Doyle“ ist gerade in zwei Bänden im Greifenverlag zu Rudolstadt erschienen.


Quelle: Gera TV

Ein Leseland für jeden aus der Familie

Sonneberger Stadtbibliothek verleiht nicht nur Bücher, sondern organisiert auch die verschiedensten Veranstaltungen

Kinder- und Jugendliteratur, Krimis, Biografien, Historisches, Reiseberichte, Fachliteratur, Science Fiction, Unterhaltsames. Alle Genres sind vertreten. Lesefreunden, die sich bei einem Besuch in der Einrichtung im Rathaus auf Grund des umfangreichen Angebotes nicht so richtig für etwas Bestimmtes entscheiden können, stehen die insgesamt vier Mitarbeiterinnen um Leiterin Barbara Wronka mit kompetenter Beratung und manchem "Geheimtipp" helfend zur Seite.

Die Versorgung von Leseratten jeden Alters mit entsprechender Literatur ist das eine. Daneben bringt die Crew der Stadtbibliothek regelmäßig Leben in die Räumlichkeiten am Rathausplatz. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Mit unterhaltsamen Aktionen werden Buchfreunde oder solche, die es werden wollen, in unterschiedlichste Literaturbereiche eingeführt. Autoren und Mitarbeiter von Verlagen sind gern gesehene Gäste, wenn zu Lesungen eingeladen wird.

Jüngstes Beispiel - aus Anlass des 3. Thüringer Tages der Literatur veranstaltete der Rudolstädter Greifen-Verlag eine Lesereise durch Thüringen. Im Mittelpunkt der Tour, die am 27. März auch in Sonneberg Station machte, stand die Vorstellung des Postum-Romans von Paul Elgers "Im Schatten Napoleons".

Paul Elgers, langjähriger Cheflektor des Rudolstädter Greifenverlages, war ein Bestseller-Autor und bekannt für seine spannenden Kriminalerzählungen und historischen Romane. Elgers starb 1995 kurz nach seinem 80. Geburtstag. Seine zahlreichen Titel werden noch immer leidenschaftlich gelesen. Kurz vor seinem Tod hatte der bekannte Autor die Arbeiten zu seinem Roman "Im Schatten Napoleons" fertig gestellt. Eine Veröffentlichung kam wegen der unklaren Zukunft des Rudolstädter Verlagshauses aber zunächst nicht in Betracht.

In den Wirren der Nachwendezeit verblieb das spannende Manuskript um den berühmt-berüchtigten Herzog von Otranto, Joseph Fouché, zunächst im Schubkasten der Erben des Schriftstellers. Erst als der Rudolstädter Greifenverlag über eine Neuauflage der Werke von Paul Elgers mit den Erben wieder ins Gespräch kam, stellte sich heraus, dass sich das Romanmanuskript in deren Besitz befindet. Beide Seiten einigten sich darauf, das Werk als besonderes Highlight zur Leipziger Buchmesse präsentieren zu wollen.

Zur Lesung des bisher unveröffentlichten Romans fand sich Ende März ein Dutzend Interessierte in der Stadtbibliothek ein. Der Verlagsleiter Holger H. Elias höchstpersönlich präsentierte den Anwesenden einen detaillierten Einblick in den Roman "Im Schatten Napoleons". In diesem zeichnete Paul Elgers die - oftmals unterschätzte - Rolle des Intriganten und berühmt-berüchtigten Mitrailleur de Lyon (Schlächters von Lyon), Joseph Fouché, dem Herzog von Otranto, nach. Der 80jährige Autor zog darin noch einmal alle Register seines Könnens und recherchierte dafür sogar in französischen Archiven. Dort fand Elgers die Materialien für den authentischen Stoff, den er mit journalistischen Mitteln bearbeitete.

Herausgekommen ist ein fesselnder Roman mit erlebbaren Dialogen. "Fouché darf zweifelsohne als Begründer der modernen Spionage bezeichnet werden. Selbst unsere Geheimdienste heute leben noch von dem, was Fouché durch alle Schichten der Gesellschaft aufgebaut hat", schloss Holger H. Elias seine Ausführungen zum letzten und äußerst spannenden Werk von Paul Elgers

Quelle: Freies Wort

Samstag, 24. April 2010

Klaus Auerwald: ...sonst kommst du nach Schwedt!

»Nach Stunden kamen wir an. Die Sonne schien und blendete mich, als ich aus der Zelle ins Freie fiel. Ich wurde aufgehoben und begann, meinen Körper allmählich an den aufrechten Gang zu gewöhnen, während das grüne Personal die Formalitäten mit dem blauen Haftpersonal regelte. Die Ware Mensch wurde übergeben, ohne äußerliche Beschädigungen. Meine innerlichen Schmerzen waren Privatangelegenheit, sie wurden nicht registriert. Mir tat jetzt auch noch viel mehr weh, als nur der Unterleib. Mein ganzer Körper war nur noch ein einziger Schmerz. Nur gebeugt und mühselig konnte ich noch laufen, eben bis in das Zimmer meiner neuen Gefährten. Von der Umgebung bekam ich wenig mit. Drei Baracken, ringsherum Stacheldraht, Wachtürme, Hunde...«

Klaus Auerswald (unser Foto) war im berüchtigten Armeeknast in Schwedt inhaftiert. Der ehemalige Soldat wurde 1968 wegen angeblich »mehrfach begangener staatsfeindlicher Hetze« zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Seine staatsfeindliche Hetze hatte darin bestanden, dass er sich kritisch mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in der damaligen CSSR auseinandersetzte.

Das Militärgefängnis Schwedt war das einzige Militärgefängnis der Deutschen Demokratischen Republik und befand sich in der nordostbrandenburgischen Stadt Schwedt an der Oder. Es wurde zur Inhaftierung von Angehörigen der Nationalen Volksarmee genutzt. Die Gründe für die Inhaftierungen teilen sich zur Hälfte in normale Straftaten wie Körperverletzung oder Diebstahl sowie in Militärstraftaten wie Befehlsverweigerung, Fahnenflucht oder Alkohol im Dienst. Am 26. April 1990 wurde der letzte Militärstrafgefangene entlassen und am 31. Mai 1990 wurde die Einrichtung geschlossen. Die Gefangenenbaracken wurden in den 1990er Jahren abgerissen.

In dem Buch »…sonst kommst du nach SCHWEDT!« skizziert Klaus Auerswald – der gebürtige Dresdner lebt heute in Leipzig – seine Erlebnisse, die er als inhaftierter Militärangehöriger sammeln musste. Seinem Bericht liegen die einschlägigen Akten zugrunde, die Auerswald nach der politischen Wende einsehen durfte. Herausgekommen ist ein dokumentarisches Zeugnis, das einen tiefen und zugleich erschütternden Einblick in die DDR-Militärstrafpraxis gewährt.

»Durch die Abschaffung des Unrechtssystems DDR mit samt der Stasi kam ich in den freudigen und zuckersüßen Genuss der Rehabilitierung und zum ersten Mal konnte ich nun auch meine Anklageschrift und mein Urteil außerhalb der Gefängnismauern in den Händen halten und damit das Unrecht und die Willkür in der DDR belegen«, schreibt Auerswald am Ende seines Buches. »Dies bereitete mir eine große Genugtuung. Mit Freuden zeigte ich nun den SED-Bekannten in meiner Umgebung die bundesdeutsche Gerichtsverfügung, die bestätigte, dass ich, auch im Sinne des DDR-Rechtes, zu Unrecht verurteilt worden war.«

ACHTUNG! Die Auslieferung beginnt am 3.Mai 2010!

Klaus Auerswald: …sonst kommst du nach Schwedt! – Bericht eines Militärstrafgefangenen
Greifenverlag zu Rudolstadt & Berlin
ISBN 978-3-86939-521-0
ca. 180 Seiten (geb. Ausgabe)
12,90 EUR

Montag, 12. April 2010

Anne Gallinat präsentierte ihr neues Buch


"Hannes Bistro" heißt das neue Buch von Anne Gallinat - erschienen im Greifenverlag -, das sie jetzt in Rudolstadt vorstellte. Es erzählt die Lebens-Geschichten dreier Bistro-Stammgäste, allesamt vom Leben gebeutelt.

In Hannes Bistro spielen sich interessante Geschichten ab. Noch aufregender sind mitunter aber die Lebens-Geschichten derer, die als Stammgäste in seinem Lokal verkehren.

Anne Gallinat stellte am Freitag im Zunftkeller des Handwerkerhofs in Rudolstadt jene Geschichten vor, die sich in und um Hannes Bistro so der Titel ihres aktuellen Buches aus dem Greifenverlag begeben.

Hannes hat sich in einem ehemaligen HO-Fleischerladen eingerichtet. Neu sind lediglich zwei Stehtische und ein Tresen, erklärte Gallinat. Bei ihm fühlen sich Absteiger und Versager wohl, erzählte die Vorsitzende des Thüringer Schriftstellerverbandes. Das Leben dreier dieser Stammgäste beleuchtet sie im Buch besonders.

Oftmals führten die Mitleid erregenden, aber liebevoll erzählten Erlebnisse und Ansichten des Docters unter den Zuhörern zu einem Schmunzeln. Alle nennen den von der Stasi bespitzelten Alkoholiker im Buch nur Docter, weil er einstmals ein Chirurg war, der Arbeit und Frau verlor. Nur eine ist ihm treu geblieben: sei Ulrikche. Sie ist eine feine Dame, kein gewöhnliches Weibsbild, verteidigt er seine Beste. Die Rede ist von seinem Fahrrad das Einzige, das ihm blieb. Eine feine Dame ist außerdem Ruth, die in Hannes Bistro ebenso bekannt ist wie Bärbel oder Friedrich mit dem Hütche. Die Dialoge im Buch schreibt das Leben, in einem Dialekt, den Gallinat als fiktiv bezeichnet. Ursprünglich sollte es ein Thüringer Dialekt sein. Aber in jeder Ecke wird hier anders gesprochen, deswegen ist der Dialekt in meinem Roman keiner Region zugeordnet, erklärte sie. So klingen die Texte ein bisschen nach Thüringen, Bayern und Saarland.

In der Diskussion nachgefragt, erzählte Gallinat aus ihrem Leben als Freiberuflerin, von der Zusammenarbeit mit dem Greifenverlag und ihrer Leidenschaft, dem Schreiben.

Dominique Lattich / Ostthüringer Zeitung (OTZ)