Freitag, 13. August 2010

Autoren rücken Schloss in Fokus

Jana Brechlin

Dahlen (Torgauer Zeitung). Eine bessere Werbung für das Dahlener Schloss hätte sich Karl Berger kaum wünschen können. In seinem zweiten Jahr kann der Schlossverein schon einiges vorweisen: Viele Sicherungsarbeiten sind erledigt, Führungen stark nachgefragt, und jetzt wird das Haus in einem neuen Buch in den Mittelpunkt gerückt. Darin beschreiben Claus und Gert Legal die Residenz des Preußenkönigs Friedrich auf Schloss Dahlen.

Für die Vorstellung ihres Werkes haben die Brüder die Heidestadt gewählt. Dort, in einem Saal der Schlossruine, werden sie aus ihrem eben erst erschienenen Buch lesen und Fragen dazu beantworten. „Der Friede zu Hubertusburg“ beschäftigt sich mit den Umständen des historisch bedeutsamen Friedensschlusses, zu dem der Alte Fritz in Dahlen weilte.
Über drei Jahre lang recherchierten die Brüder zum Thema. Beide verschlug es für die Nachforschungen zurück in ihre alte Heimat: Von 1952 bis 1954 lebten die gebürtigen Liegnitzer in Grimma, ehe sie später nach Thüringen kamen. 1959 floh Claus Legal in den Westen, studierte, lebte zeitweise in den USA und arbeitete bis zur Pensionierung als Redakteur beim ZDF. Sein Bruder Gert Legal studierte Medizin in Leipzig und Erfurt und folgte ihm 1972 in die Bundesrepublik. Er arbeitete bis zum Ruhestand als Arzt in München in der eigenen Praxis. Beide Brüder haben bereits Bücher herausgebracht und sich für die Recherchen um den Friedensschluss nach dem Siebenjährigen Krieg zusammengetan.

Immerhin 23 Tage hatte sich der Preußenkönig 1763 in Dahlen einquartiert – in zwei kleineren Räumen des Schlosses. Wenn der Vorsitzende des Schloss- und Parkvereins Karl Berger heute durch die Räume geht, kann er nachvollziehen, wo der Alte Fritz residierte und seine Blicke durch die Fenster schweifen ließ. „Das können unsere Besucher ebenfalls tun“, lädt Berger ein. Denn im zweiten Vereinsjahr haben Berger und seine Mitstreiter sämtliche Räume begehbar gemacht.
Schlossneulinge und seltene Gäste können zuweilen das Gefühl haben, sich im einstigen Herrenhaus zu verlaufen – Karl Berger kann das nicht passieren. Sicher hantiert er mit dem Schlüsselbund, nimmt Schleichwege durch Wirtschaftsräume und Hintertreppen ins nächste Geschoss. Im Kellergewölbe ist in einem Raum der Geist des Preußenkönigs eingesperrt – ein Gruselgag, der besonders bei den Dämmerführungen für Schülergruppen für Begeisterung sorgt. Die „große Tonne“ wurde schon mehrfach als Veranstaltungsraum genutzt, ein paar Schritt weiter weisen Lichter den Weg zu einer Schatztruhe.

Fünf Ein-Euro-Jobber unterstützen den Verein, außerdem gibt es Sponsoren, die Arbeitsleistung, Material oder Geld zur Verfügung stellen. Öfter sogar von ganz allein. „Dieser Zuspruch motiviert uns sehr“, versichert Berger. Manchmal staunt er selbst, wie viel bereits passiert ist: In besenreinen Räumen werden alte aufgearbeitete Fenster und Türen eingesetzt, es gibt eine kleine Bühne und ausreichend Sitzgelegenheiten. „Wenn mir jemand bei der Vereinsgründung gesagt hätte, dass wir im August 2010 schon so weit sind, hätte ich den für verrückt erklärt“, gesteht der Dahlener. Doch manche Visionen werden noch sehr lange Wünsche bleiben. Berger weist auf das früher so prächtige Treppenhaus, das seit dem Brand 1973 und dem anschließenden Abbruchversuch zerstört ist. „Das aufzubauen, packen wir nicht. Das müssen die machen, die nach uns kommen“, meint er, „wenn Geld da ist“.
Ein bisschen könnte bereits die Buchpräsentation am Sonnabend in die Kasse spülen. So wird es dann Dahlener Schlosswein zu kaufen geben. „Dafür liefert uns ein Winzer aus der Pfalz Rot- und Weißwein. Ein Teil des Erlöses soll dem Verein zugutekommen“, kündigt Berger an. Außerdem hofft er auf weitere Aufmerksamkeit für das Schloss, wenn es selbst jetzt im Buch der Legal-Brüder eine Rolle spielt. „Das kommt für uns zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben die Räume so weit hergerichtet, dass man hier etwas veranstalten und zeigen kann – wir sind bereit“, versichert Karl Berger.

Die Stadt Dahlen sowie der Schloss- und Parkverein laden am Sonnabend zu einem kulturhistorischen Schlossnachmittag ein. Motto der Veranstaltung ist „Aufgedeckt: Die letzten Geheimnisse des Alten Fritz“. Ab 16 Uhr stellen die Autoren Claus und Gert Legal ihr Buch „Der Friede zu Hubertusburg“ vor. Ab 17 Uhr spielt der Musikverein Lampertswalde auf dem Schlosshof.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen