Montag, 16. August 2010

"Ich bleibe hier oder in Torgau bis zum dreizehnten"

Nordsachsen (Torgauer Zeitung vom 16.August 2010). „Ich bleibe hier oder in Torgau bis zum dreizehnten. Meine Reise nach Schlesien wird vierzehn bis siebzehn Tage dauern, sodass ich erst am 31. März oder zweiten April in Berlin sein kann. Am ersten April mag ich nicht ankommen, dann würden Witze über mich gemacht und gesagt werden, ich hätte mich in den April schicken lassen.“ Diese Zeilen schrieb der Preussenkönig Friedrich II. am 1. März 1763 während seines Aufenthaltes im Schloss Dahlen an den Marquis d`Argens. Und fünf Tage später ebenso von hier an die Gräfin Camas hinsichtlich eines bevorstehenden Wiedersehens: „Was mich betrifft, so werden Sie mich gealtert und fast schwatzhaft finden; ich bin grau wie meine Esel, verliere alle Tage einen Zahn und bin halb lahm vor Gicht; aber Ihre Nachsicht wird die Schwächen des Alters ertragen und wir werden von der alten Zeit reden.“

Friedensvertrag unterzeichnet
Heute, wo die Vorbereitungen auf das 250-jährige Gedenken an die Schlacht bei Torgau vom 3. November 1760 auf Hochtouren laufen, scheint ein wenn auch „nur“ 23 Tage währendes Kapitel regionaler Geschichte von überregionaler historischer Bedeutung eher in den Hintergrund zu treten – nämlich dass Friedrich II. (Friedrich der Große, auch „Alter Fritz“) vom 19. Februar 1763 an eben 23 Tage lang sozusagen aus der Ferne sein Königreich regierte. Friedrichs Aufenthalt auf Schloss Dahlen war damals auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen den Kriegsmächten Österrreich, Sachsen und Preussen auf Schloss Hubertusburg zu Wermsdorf zurückzuführen, welche dort am 15. Februar 1763 erfolgte. Friedrich unterschrieb den Friedensvertrag am 21. Februar auf Schloss Dahlen.
Im Dahlener Heimatmuseum, welches übrigens in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, ist ein Ausstellungsraum der besonderen Geschichte des hiesigen Schlosses gewidmet. Geleitet wird das Museum seit 2002 von Hartmut Finger. In diesem Jahr wurde die Inventarisierung des Museumsgutes vorgenommen und bis jetzt fast vollständig abgeschlossen.

In Zusammenhang mit dem Frieden zu Hubertusburg, der gleichsam das Ende des Siebenjährigen Krieges bedeutete, kann die Historie des Schlosses zu Dahlen nicht länger losgelöst aus der Reihe jener Ereignisse betrachtet werden, derer -beginnend mit dem 250. Jahrestag der Schlacht bei Torgau auf den Süptitzer Höhen- ab dem 3. November 2010 in den Folgejahren gedacht werden soll: Der 250. Jahrestag der Plünderung der Hubertusburg am 18. Februar 2011, die 300. Wiederkehr des Geburtstages Friedrichs II. am 24. Februar 2012 und dem 250. Jahrestag der Unterzeichnung des Hubertusburger Friedens am 15. Februar 2013.
Für die in Liegnitz geborenen Autoren Claus und Gert Legal löste die Tatsache, dass Friedrichs 23-Tage-Aufenthalt auf Schloss Dahlen mehr und mehr in der Geschichtsschreibung in Vergessenheit zu geraten drohte, die Idee für ein Buch-Projekt aus. „In „Der Friede zu Hubertusburg – Friedrich II., Preußens König, Sachsens Feind, Regent auf Schloss Dahlen“ wird so mancher Leser mit Erstaunen feststellen, dass nicht allein die „Großen“, deren Namen und Rangstellung in den einschlägigen Geschichtswerken wie selbstverständlich aufgeführt sind, am Rad der Historie drehten. „Dass es dessen ungeachtet einer Mitwirkung der sogenannten kleinen Leute bedurfte, wenn deren Beteiligung auch zumeist schicksalsergeben auf Repression und Untertanengeist beruhte. Worüber selbstherrlich eine aristokratische Obrigkeit bestimmte, die sich für alle Zeit zur Regentschaft von ,Gottes Gnaden‘ legitimiert sah“, schreibt Claus Legal.

Zahlreiche Beispiele
Auch wird der entbehrungsreiche Lebensalltag unter Kriegsbedingungen dem Leser anschaulich nahegebracht an Beispielen aus Leipzig oder an Begebenheiten, welche dem „Gemayne Buch“ (Gemeindebuch) des Dorfes Schmannewitz entnommen sind. Claus Legal: „Das macht insofern Sinn, als sowohl Dahlen wie Schmannewitz unter der Lebens- und Gerichtshoheit der Grafen von Bünau standen, den Besitzern des Dahlener Schlosses. Da ein Großteil der Betroffenen in besagtem Gemeindebuch mit Namen aufgeführt ist, verleiht es ihren Handlungsweisen ein hohes Maß an Authentizität. Und eindrucksvoll vermitteln alle Beispiele: Der Krieg spiegelt sich im Mikrokosmos der Bevölkerung in Stadt und Land.“
Gert und Claus Legals Buch „Der Friede zu Hubertusburg“ erscheint im Herbst dieses Jahres – rechtzeitig vor dem Gedenken an die Schlacht bei Torgau vor 250 Jahren.


Ger Tiedke, Torgauer Zeitung

Die letzten Geheimnisse des Alten Fritz

Über 250 Besucher kamen am Samstag zur Präsentation des Titels „Friedrich II. – Preußens König – Sachsens Feind – Regent auf Schloss Dahlen“. Im Saal des Schlosses Dahlen gaben die Autoren, der ehemalige ZDF-Journalist Claus Legal und dessen Bruder Gert einen Einblick in ihr Manuskript und beantworteten die Fragen der Besucher. Im Anschluss signierten die Autoren das druckfrisch angelieferte Buch.

Als „erster Diener des Staates“ ging Friedrich II., unter dem Pseudonym „Alter Fritz“ bekannt, in die Geschichte des aufgeklärten Absolutismus ein. Modernes Denken und Innovationsgeist prägen das Bild über den preußischen König, der 2012 seinen 300. Geburtstag feiern lassen kann.

Aufgrund dieses Ereignisses und der Tatsache, dass der Aufenthalt Friedrichs II. auf Schloss Dahlen ein „Mauerblümchen-Dasein“ hegt, gingen die Brüder Claus und Gert Legal dieses Buchprojekt an. Nach drei Jahren intensiver Recherche in Kirchenbüchern, Geburtsurkunden, historischen Dokumenten und Staatsarchiven veröffentlichten sie schließlich ihre Erkenntnisse und lieferten damit einen umfangreichen Einblick in die Welt des 18. Jahrhunderts. Nun erscheint das Buch „Friedrich II. – Preußens König – Sachsens Feind – Regent auf Schloss Dahlen“ im Greifenverlag.

In der Ruine des sächsischen Landsitzes Dahlen verbargen sich einige, von den Brüdern Legal nun aufgedeckte Geheimnisse. Obwohl bekannt war, dass der Alte Fritz es 23 Tage lang zu seiner kurzfristigen Residenz erklärte, waren markante Details des Innenhofes und der Gebäudearchitektur noch nicht veröffentlicht worden.

Weitaus größere Bedeutung kann man jedoch der Entdeckung der beiden Autoren zumessen, die sie mit Hilfe eines Dokumentes aus dem Staatsarchiv Dresden erlangt haben. Dabei handelt es sich um die Plünderung des Jagdschlosses Hubertusburg, das im Jahre 1761 auf Befehl Friedrich II. ausgeraubt wurde. Die bis dahin als zutreffend erachteten Berichte über das Ereignis erwiesen sich nach Fund dieser Quelle als unzureichend und teilweise als schlichtweg nicht korrekt. Ein sehr faktenreicher Augenzeugenbericht des ehemaligen Schlossverwalters George Samuel Götze liegt den neuen Erkenntnissen zugrunde. In diesem beschreibt er die erschreckenden Zustände im Kriegsalltag verbunden mit all den vielfachen Entbehrungen, die die Bevölkerung stark belasteten.

In Bezug auf Schloss Dahlen ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass dies letztendlich der Ort war, an dem Friedrich 1763 seine Unterschrift zur Gewährleistung des Friedens gegenüber Hubertusburg setzte. Etwa zeitgleich vollzogen diesen bedeutsamen Staatsakt seine damaligen Feinde Maria Theresia von Österreich und Friedrich August II. von Polen. In diesem Moment der Vertragsunterzeichnung kam es zwischen den drei Residenzen Wien, Warschau und Dahlen zu einer Begegnung auf Augenhöhe, weshalb Dahlen bis heute als eine historisch wertvolle Stätte angesehen wird.

Mit Hilfe von zahlreichen Dokumenten, dem „Gemayne Buch“ (Gemeindebuch) des drei Kilometer von Dahlen entfernten Dorfes Schmannewitz und illustrierten Beispielen aus der Messemetropole Leipzig gelang es den Brüdern Legal ein beeindruckendes Spiegelbild der Lebensbedingungen der Menschen im Kriegsalltag zu schaffen. Somit ist dieses Buch in der Lage, spannenden und interessanten Lesestoff für einen weit umfassenden Personenkreis zu liefern.

Claus und Gert Legal
Friedrich II. – Preußens König – Sachsens Feind – Regent auf Schloss Dahlen
Hardcover, ca. 300 Seiten
ISBN 978-386939-371-1
24,90 EUR

Freitag, 13. August 2010

Autoren rücken Schloss in Fokus

Jana Brechlin

Dahlen (Torgauer Zeitung). Eine bessere Werbung für das Dahlener Schloss hätte sich Karl Berger kaum wünschen können. In seinem zweiten Jahr kann der Schlossverein schon einiges vorweisen: Viele Sicherungsarbeiten sind erledigt, Führungen stark nachgefragt, und jetzt wird das Haus in einem neuen Buch in den Mittelpunkt gerückt. Darin beschreiben Claus und Gert Legal die Residenz des Preußenkönigs Friedrich auf Schloss Dahlen.

Für die Vorstellung ihres Werkes haben die Brüder die Heidestadt gewählt. Dort, in einem Saal der Schlossruine, werden sie aus ihrem eben erst erschienenen Buch lesen und Fragen dazu beantworten. „Der Friede zu Hubertusburg“ beschäftigt sich mit den Umständen des historisch bedeutsamen Friedensschlusses, zu dem der Alte Fritz in Dahlen weilte.
Über drei Jahre lang recherchierten die Brüder zum Thema. Beide verschlug es für die Nachforschungen zurück in ihre alte Heimat: Von 1952 bis 1954 lebten die gebürtigen Liegnitzer in Grimma, ehe sie später nach Thüringen kamen. 1959 floh Claus Legal in den Westen, studierte, lebte zeitweise in den USA und arbeitete bis zur Pensionierung als Redakteur beim ZDF. Sein Bruder Gert Legal studierte Medizin in Leipzig und Erfurt und folgte ihm 1972 in die Bundesrepublik. Er arbeitete bis zum Ruhestand als Arzt in München in der eigenen Praxis. Beide Brüder haben bereits Bücher herausgebracht und sich für die Recherchen um den Friedensschluss nach dem Siebenjährigen Krieg zusammengetan.

Immerhin 23 Tage hatte sich der Preußenkönig 1763 in Dahlen einquartiert – in zwei kleineren Räumen des Schlosses. Wenn der Vorsitzende des Schloss- und Parkvereins Karl Berger heute durch die Räume geht, kann er nachvollziehen, wo der Alte Fritz residierte und seine Blicke durch die Fenster schweifen ließ. „Das können unsere Besucher ebenfalls tun“, lädt Berger ein. Denn im zweiten Vereinsjahr haben Berger und seine Mitstreiter sämtliche Räume begehbar gemacht.
Schlossneulinge und seltene Gäste können zuweilen das Gefühl haben, sich im einstigen Herrenhaus zu verlaufen – Karl Berger kann das nicht passieren. Sicher hantiert er mit dem Schlüsselbund, nimmt Schleichwege durch Wirtschaftsräume und Hintertreppen ins nächste Geschoss. Im Kellergewölbe ist in einem Raum der Geist des Preußenkönigs eingesperrt – ein Gruselgag, der besonders bei den Dämmerführungen für Schülergruppen für Begeisterung sorgt. Die „große Tonne“ wurde schon mehrfach als Veranstaltungsraum genutzt, ein paar Schritt weiter weisen Lichter den Weg zu einer Schatztruhe.

Fünf Ein-Euro-Jobber unterstützen den Verein, außerdem gibt es Sponsoren, die Arbeitsleistung, Material oder Geld zur Verfügung stellen. Öfter sogar von ganz allein. „Dieser Zuspruch motiviert uns sehr“, versichert Berger. Manchmal staunt er selbst, wie viel bereits passiert ist: In besenreinen Räumen werden alte aufgearbeitete Fenster und Türen eingesetzt, es gibt eine kleine Bühne und ausreichend Sitzgelegenheiten. „Wenn mir jemand bei der Vereinsgründung gesagt hätte, dass wir im August 2010 schon so weit sind, hätte ich den für verrückt erklärt“, gesteht der Dahlener. Doch manche Visionen werden noch sehr lange Wünsche bleiben. Berger weist auf das früher so prächtige Treppenhaus, das seit dem Brand 1973 und dem anschließenden Abbruchversuch zerstört ist. „Das aufzubauen, packen wir nicht. Das müssen die machen, die nach uns kommen“, meint er, „wenn Geld da ist“.
Ein bisschen könnte bereits die Buchpräsentation am Sonnabend in die Kasse spülen. So wird es dann Dahlener Schlosswein zu kaufen geben. „Dafür liefert uns ein Winzer aus der Pfalz Rot- und Weißwein. Ein Teil des Erlöses soll dem Verein zugutekommen“, kündigt Berger an. Außerdem hofft er auf weitere Aufmerksamkeit für das Schloss, wenn es selbst jetzt im Buch der Legal-Brüder eine Rolle spielt. „Das kommt für uns zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben die Räume so weit hergerichtet, dass man hier etwas veranstalten und zeigen kann – wir sind bereit“, versichert Karl Berger.

Die Stadt Dahlen sowie der Schloss- und Parkverein laden am Sonnabend zu einem kulturhistorischen Schlossnachmittag ein. Motto der Veranstaltung ist „Aufgedeckt: Die letzten Geheimnisse des Alten Fritz“. Ab 16 Uhr stellen die Autoren Claus und Gert Legal ihr Buch „Der Friede zu Hubertusburg“ vor. Ab 17 Uhr spielt der Musikverein Lampertswalde auf dem Schlosshof.