Mittwoch, 31. März 2010

Randgestalten der Gesellschaft treffen sich in "Hannes´ Bistro"

Es sind skurrile Gestalten, die dieses Buch von Anne Gallinat bevölkern. Romanfiguren, Zauberfiguren, biedere Leute, Messies, halbwüchsige Kriminelle, Hirnrissige, vom Leben Abgeschriebene.

Im titelgebenden «Hannes Bistro» versammeln sie sich, einem kleinstädtischen Stehimbiss zwischen vergilbten Fliesen. Darin steht der aus allen Hosenbünden quellende Hannes und macht jedem «ä Bierchen». «Scheen nachenanner.» Denn hier spricht man merkwürdig, wohl so, wie das Volk spricht, mit bildhaften Wendungen, verschliffenen Sätzen, zerfetzter Grammatik. «Anners wie die Stadtoberen.»

Stadtrat Blücher zum Beispiel, der das Beste will, und dem die Stadt unter der Hand zerbröckelt. Herzi hingegen berlinert. Nicht weil sie aus Berlin ist, sondern weil sie es schick findet und glaubt, dass dies zu weißen Schuhen und grellgefärbten Haaren passt. Möslein wiederum spricht ein überkorrektes, altmodisches Deutsch; Möslein, der kleine verwachsene Mann, der sich eine kleine Frau und kleine Kinder wünscht, und dann als Kinderschänder in den Akten landet.

Die drei Geschichten, hier durch seltsame Protagonisten verwoben, sind Beziehungsgeschichten: Die anrührende zwischen einem sprachlich und körperlich Behinderten und seiner verhuschten Freundin, der es dennoch durch und durch geht, wenn der Zigeuner Sultan aus dem Kosovo auftaucht. Die Liebesgeschichte zwischen dem schwerstgeschädigten Alkoholiker Dr. Docter und seinem Fahrrad, dem Ulrikchen. Und die Beziehung mehrerer von Sozialhilfe lebenden Familien zu ihren Wohnblocks am Waldrand, wo man im Hof gemeinsam Kaffee trinkt und Quark ohne Boden isst. Die Geschichten spielen vor und in Müllgebirgen, auf dem laut dröhnenden Marktplatz, in Asylbewerberkasernen, aber auch im dunklen Tann zwischen Felswänden. Die Szene: eine thüringische Stadt am und im Wald.

Man merkt der Autorin ihre Herkunft aus der Filmbranche an. Kammerspiel und Große Bettleroper wechseln einander ab, Wortgefecht und Bildhintergrund geben reizvolle Kontraste, und gelegentlich marschieren auch mal etwas unmotiviert große Menschenmassen durchs Bild, allein eines schrottreifen Fahrrads wegen. Da geht es dann von der Stadt hinaus in Wald und Feld: man kann solches sich gut auf Leinwand oder Bildschirm vorstellen. Außenaufnahme, O-Ton, Kommentar aus dem off.

In Hannes' Bistro blühen noch Eisblumen, bevor der Kachelofen bullert. Lugt da nicht irgendwo das 19. Jahrhundert hervor? Diese Welt geht zu Ende, man wird von Spekulanten aus der Wohnung gesetzt, die Lokalpresse steht auf der fortschrittlichen, also der menschenverachtenden Seite, und irgendwann wird unrühmlich gestorben. Romantisch-kritischer Realismus mit einem Schuss Wehmut und einer Prise Trotz.

Anne Gallinat: Hannes Bistro. Roman, Greifenverlag zu Rudolstadt, 150 Seiten, 12.90 Euro

Matthias Biskupek / Thüringische Landeszeitung (TLZ)

Montag, 29. März 2010

Tag der Thüringer Literatur in Rudolstadt

Bereits zum dritten Male veranstaltete der Thüringer Literaturrat am Samstag den Thüringer Tag der Literatur. Die zentrale Veranstaltung für den Freistaat zu diesem Ereignis eröffnete Dr. Jens Kirsten aus Weimar, Geschäftsführer des Gremiums, vor mehr als vierzig Gästen im Rudolstädter Schillerhaus.

Thema des Tages war der Greifenverlag, der von 1921 bis 1926 seinen Sitz im Haus Schillerstraße 41 hatte, an dem heute noch eine Tafel auf diese Verbindung hinweist. Ziel des Tages der Literatur ist es, die Auseinandersetzung mit den Verbindungen des eigenen Wohnortes und dessen Umfeldes zur Literatur in Vergangenheit und Gegenwart zu fördern, umriss Kirsten die Absicht des Veranstalters.

Matthias Biskupek, Sprecher des Literaturrates und Rudolstädter Schriftsteller, zudem heute selbst in der Schillerstraße 41 zu Hause, berichtete in seiner gewohnt satirisch-kurzweiligen Art Anekdoten, Wahres und Wahrscheinliches aus dieser Zeit.

Verlagsgründer Karl Dietz war wohl eine der interessantesten, aber auch umstrittenen Verlegerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Gegründet 1919 in Hartenstein in Sachsen, machte sich der Greifenverlag nach seinem Umzug ins thüringsche Rudolstadt schnell einen Namen durch aufstrebende expressionistische Autoren wie Johannes R. Becher, Paul Zech und Erich Weinert.

Biskupek stellte Becher in unterschiedlichen Facetten seines Wirkens nicht nur als Verfasser der DDR-Nationalhymne vor. Paul Zech hingegen ist aus der Literaturlandschaft der vergangenen Jahrzehnte fast völlig verschwunden. Der 1946 in Buenos Aires verstorbene Dichter erhielt durch Klaus Kinskis Interpretation seiner Verse Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund aus den Lasterhaften Balladen und Liedern des François Villon zwar eine unverhoffte Wiederentdeckung, sein übriges Werk schlummert aber weiterhin in der Versenkung. Sehr zu unrecht übrigens, wie der Rudolstädter Schauspieler Hans Burkia am Samstag mit einem Gedicht aus dem Band Die ewige Dreieinigkeit, erschienen 1924 im Greifenverlag, eindrucksvoll zeigte.

Überhaupt trugen die Texte, die der Mime mit Verve vortrug, zur Erheiterung des Publikums bei. Auch pikante Enthüllungen um das Werk des Sexualpädagogen Max Hodann, die in der Residenzstadt für Empörung und gerichtliche Auseinandersetzung sorgten, wurden von Burkia und Biskupek ins rechte Licht gerückt.

Die Jahre zwischen 1921 und 1926 waren wohl die bisher besten in der wechselvollen Geschichte des renommierten Verlages, der auch nach dem Kriege noch einige Jahre eine literarische Vorreiterrolle in der Literaturszene der DDR spielte, fasste Matthias Biskupek zusammen. Umso erfreulicher sei es, so der Schriftsteller, dass der neugegründete Greifenverlag im vergangenen Jahr in die Schillerstadt zurückgekehrt sei.

Lutz Lindner / Ostthüringer Zeitung (OTZ)

Samstag, 27. März 2010

Zweiter Roman von Anne Gallinat im Greifenverlag erschienen

Es sind die kleinen Leute von nebenan, die in Hannes` Bistro ein- und ausgehen. Sie finden sich wieder im Aufschwung und Untergang ihres Treffs, der ihnen ein bisschen Wärme und Vertrautheit vermittelt. "Es ist eine Tragikomödie", sagt Anne Gallinat über ihr jüngstes Buch.

Saalfeld. "Es gibt auch was zu lachen, aber kein Happy End, meint Anne Gallinat. Die 45-Jährige, die seit 15 Jahren in der Feengrottenstadt lebt und sich inzwischen als Saalfelderin fühlt, hält ihr gedrucktes Werk selbst erst seit einer Woche in der Hand. Pünktlich zur Signierstunde auf der Leipziger Buchmesse lag ihr zweiter Roman, Hannes Bistro aus dem Greifenverlag zu Rudolstadt, vor. Die eigentliche Buchpremiere findet erst am 9. April, 19 Uhr, im Alten Rathaus von Rudolstadt statt.

Das Cover verrät Lokalkolorit: Die Saalstraße ist zu erkennen. Gallinat, die auch als Stadtführerin unterwegs ist und Schreibprojekte mit Kindern und Erwachsenen leitet, lässt sich gern anregen von den Sorgen und Freuden der Menschen, mit denen sie zu tun hat. Die Handlung des Romans sei jedoch erfunden, betont die Autorin, die bereits am nächsten Manuskript arbeitet. Sie greife darin das literarische Oblomow-Motiv des charmanten Nichtsnutzes auf, verrät die Vorsitzende des Thüringer Schriftstellerverbandes, die Amt und Schreiben nur in einem gut organisierten Arbeitstag zusammenbringt.

Sabine Bujack-Biedermann / Ostthüringer Zeitung (OTZ)

Freitag, 26. März 2010

Rudolstädter Fanal zum Literatur-Tag

Becher zecht, und Zech bechert in der Schillerstraße, so könnte am heutigen Sonnabend das Motto im Rudolstädter Schiller-Haus zum Auftakt des 3. «Thüringer Tags der Literatur» lauten.

Nicht doch, widerspricht Matthias Biskupek: Erstens sei Johannes R. Becher nie in Rudolstadt gewesen - «er verkehrte mit seinem Verleger Karl Dietz postalisch und schrieb im Briefkopf ,Rudolfstadt'» -, und zweitens habe man, wenn Paul Zech den Greifenverlag besuchte, höchstwahrscheinlich nur Kaffee getrunken.

Der Autor Biskupek, der «sieben Meter Luftlinie» schräg über dem ersten Sitz des Greifenverlages wohnt, wird in der zentralen Eröffnungsveranstaltung an das Wirken des bedeutenden Verlegers erinnern. Dietz hatte sich 1921 in der Schillerstraße 41 einquartiert und dort bis 1926 - da erfolgte der Umzug auf die Heidecksburg - erfolgreich Bücher gemacht: darunter Karl Grünbergs Roman «Brennende Ruhr», die ersten Bände des Greifenkalenders und auch zwei Titel von Paul Zech. Bechers Gedichtband «Ein Mensch unserer Zeit» erschien erst 1929. Biskupeks Vortrag zur Geschichte des Verlags, der als Privatunternehmen lange den Verstaatlichungsbestrebungen in der DDR getrotzt, sich bis kurz nach der Wende behauptet hatte und kürzlich als digitaler Kleinverlag wiedergegründet worden ist, wird textlich und musikalisch umrahmt durch einen Schauspieler und einen Musiker.Insgesamt wird der «Thüringer Tag der Literatur» mit 40 Veranstaltungen - zumeist Lesungen, aber auch Bücherbasare, Märchenstunden und literarische Stadtführungen - landesweit begangen. Wie schon in den letzten Jahren wolle man mit Hilfe von Vereinen, Bibliotheken, Museen, Dichterhäusern und Schulen das literarische Potenzial des Landes erlebbar werden lassen, so Jens Kirsten vom koordinierenden Literaturrat. Neben vielen einheimischen sind auch Autoren aus anderen Bundesländern in Thüringen unterwegs, u. a. Christoph Dieckmann, Wladimir Kaminer, Thomas Rosenlöcher und Günter Wallraff.

Frank Quilitzsch / Thüringische Landeszeitung (TLZ)

Donnerstag, 25. März 2010

Familientreffen mit Verleger

„Paulus" wurde er liebevoll von Familie und Freunden genannt. Am 23. März wäre Paul Elgers (1915-1995) 95 Jahre alt geworden.

Mit einer Festveranstaltung in der Rudolstädter Stadtbibliothek ehrte der Greifenverlag am Dienstagabend den Autor und präsentierte seinen bisher unveröffentlichten Roman „Im Schatten Napoleons". Zugleich feierte der Verlag mit dem einjährigen Jubiläum der Wiedergründung wenige Tage nach dem erfolgreichen Auftritt auf der Leipziger Buchmesse „nach langem Schweigen die Rückkehr in die Verlagslandschaft", so Holger Elias.

Dass dieses Buch von Paul Elgers überhaupt veröffentlicht werden konnte, ist zuerst seiner Frau Inge Schmidt-Elgers zu verdanken. Als sie von den Plänen zur Wiedergründung des Greifenverlages erfuhr, ging sie auf Holger Elias zu. „Ich habe mich vorgestellt und ihm gesagt, dass es da noch ein unveröffentlichtes Manuskript gibt", erzählte sie am Rande der Lesung und ergänzte: „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden". So war der Weg für die Zusammenarbeit geebnet. Ihre Söhne Dirk und Robert Nauer, die bei diesem „erweiterten Familientreffen" ebenfalls zugegen waren, unterstützten das Vorhaben, „Sie haben uns mit offenen Armen empfangen", so Holger Elias an die Familie. Er kündigte eine Buchreihe zum Andenken an Paul Elgers an. „Ein Vorhaben, das wir mit ganzem Elan angehen werden", wie er sagte.

Eine Kostprobe aus dem Werk über einen der größten Intriganten der Geschichte, Napoleons Zeitgenossen Joseph Fouche, gab er dann in einer Dialoglesung gemeinsam mit Robert Nauer. Etwa 40 Zuhörer wurden Zeuge dieser Premiere und hörten dabei auch Anekdoten aus dem Familienleben des Autors.

Holger Elias nutzte zudem die Gelegenheit, um für das Genossenschaftsmodell des jungen Verlages zu werben. Von den derzeit 20 Mitgliedern sind die wenigsten Rudolstädter. „Aber gerade das wäre wichtig, um ein Zeichen zu setzen", so der Verleger.

Der Greifenverlag setzt die Reihe seiner Premiere-Lesungen fort. Am 9. April stellt die Saalfelder Autorin und Vorsitzende des Thüringer Schriftstellerverbandes Anne Gallinat ihr neues Buch „Hannes Bistro" vor. Am 15. April liest Karl-Heinz Bommhardt aus seinem Buch „Im Schatten der Heidecksburg". Beide Veranstaltungen finden im Saal des Alten Rathauses statt.

Heike Enzian / Ostthüringer Zeitung

Dienstag, 23. März 2010

Greifenverlag: Zwischen Napoleon und Bistro

Das Verschwinden traditioneller Verlage und die Verödung der mitteldeutschen Bücherlandschaft wird oft beklagt. Umso schöner, dass ein wichtiger Thüringer Verlagsname wieder aufgetaucht ist: der Grei¬fenverlag zu Rudolstadt.

Ein Autor des alten Unternehmens, einst auch dessen Cheflektor, hätte heute seinen 95. Geburtstag gefeiert: Paul Schmidt-Elgers. Er schrieb das, was in der DDR Spannungsliteratur hieß, also erfolgreiche Krimis, aber auch Historienromane, so die „Jungfrau Johanna". Aus dem Nachlass präsentiert der neue Greifenverlag nun den Roman „Im Schatten Napoleons" mit dem Untertitel „Joseph Fouche - Meister der Intrige". Kenner werden einwenden: Über den Polizeiminister in wechselnden französischen Regierungen hat doch Stefan Zweig ein packendes und gültiges Lebensbild vorgelegt. An Zweig reicht Elgers gewiss nicht heran; er wählt einen anderen Zugriff, beschreibt quasi dokumentarisch Fall, Wiederaufstieg und tiefen Fall des Imperators ab 1813. Fouches Leben wird daneben, auch in kurzen Rückblenden, eben „im Schatten", geschildert. Das Buch bietet eine genaue Recherche aller diplomatischen Winkelzüge und des Fürstengeschachers zwischen Paris, Neapel, Dresden und Elba, zwischen Völkerschlacht bei Leipzig und dem Tod des gefürchteten Opportunisten im Exil zu Triest.

Doch auch der Gegenwart fühlt sich der neu gegründete Verlag verpflichtet. „Hannes Bistro" von Anne Gallinat ist ein kurzer Roman, der mehrere Erzählungen einschließt: Die meist Benachteiligten, Ausgegrenzten, aber auch lokalen Größen, die sich in einer kleinstädtischen Imbissbude treffen, beschreibt die Saalfelder Autorin treffsicher und pointiert, lässt sie in bodennaher Umgangssprache von hohem poetischen Reiz zu Wort kommen. Lebenswege kreuzen und verstricken sich. Man merkt der Autorin ihre gediegene Film-Ausbildung an; manche Geschichte, manch Charakter kann man sich wunderbar auf Leinwand oder Bildschirm vorstellen; wenn Geschichten nicht auf der Straße liegen, so sitzen sie im Bistro herum. Trotz der Versicherung, dass alle Personen der Fantasie der Autorin entsprangen, werden Kleinstädter die eine oder andere Figur wiederentdecken, vielleicht nicht nur in Saalfeld.

Von Matthias Biskupek / Thüringer Allgemeine

Samstag, 20. März 2010

Noch ein Komplott (Rezension)

Ist den Griechen nichts heilig? Und doch: In der hellenischen Republik, wo die aufgetürmten Staatsschulden den Euro unter sich zu begraben drohen, während sich manche Staatsbedienstete schon mit dreißig Jahren in den Ruhestand verabschieden und jugendliche Massen die Wiege des Abendlandes zum Schaukeln bringen, trotzt in einem abgeschiedenen Winkel die autonome Mönchsrepublik Athos mit ihren orthodoxen Glaubensbrüdern allem Profanen.

Zu diesem Heiligen Berg, in die verborgene Abtei von Petrovouni, führt den Privatermittler Mike Heller von der Investigation & Protection S.A. mit Sitz in Brüssel ein Routineauftrag, der bald kein solcher mehr ist. Denn hier gehen weit seltsamere Dinge zu als nur religiöse Liturgie. Redselige Kuttenträger werden zu ihrem Schöpfer befördert, Besucher verschwinden ebenso spurlos wie Fischerboote, die in einer verbotenen Bucht festmachen. Mit jedem Schritt gerät Heller tiefer in das Geflecht eines Mysteriums, das weit in die Geschichte zurückreicht. Die Spur führt ihn an die Hohestätten der mittelalterlichen Tempelritter, des mächtigsten Ordens ihrer Zeit, den Philipp IV. von Frankreich wegen Ketzerei und Sodomie 1307 liquidierte, in Burgen und Klöster in Portugal und Spanien. Doch vielleicht liegt die Lösung des Rätsels um die Kristallköpfe auch unter einer von Schatzsuchern zerpflügten Insel vor der Ostküste Kanadas.

Mit Heller zeichnet André Steiniger eine ironische James-Bond-Variante mit kleinen Defekten am Macho-Gen. Statt eines heißen Drahtes hat der Held hier eher eine lange Leitung. Dennoch wird nichts ausgelassen, was Männern und Frauen Spaß macht, und die vielen ironischen Anspielungen auf die Ian-Fleming-Figur dürften Anhängern dieses Kults Vergnügen bereiten. Auch fehlt es nicht an liebevollen und detailgetreuen Gebrauchsanweisungen für Freunde der Schließ- und Sicherheitstechnik. Vor allem aber leistet Steiniger Aufklärungsarbeit im doppelten Sinn: neben der kriminologischen erkundet er die Geschichte der Handlungsorte. In den Blick geraten dabei Themen wie die rassische Nazi-Institution »Ahnenerbe«, das griechische Obristenregime und nicht zuletzt der klerikale Faschismus unter Salazar sowie Portugals Nelkenrevolution von 1974.

Das angehängte Wort- und Personenregister erweist sich bei der Lektüre als sehr nützlich. Für Nachauflagen wären Illustrationen und Karten zu wünschen, die dem Leser die Orientierung im Gelände erleichtern.

André Steiniger: Das Athos-Komplott. Greifenverlag, Rudolstadt/Berlin 2010, 487 Seiten, 19,90 Euro

Ernst Blofeld / junge Welt

Donnerstag, 18. März 2010

Buchcover auf der Dose

Kräftig die Werbetrommel gerührt hat der neu gestartete Rudolstädter Greifenverlag. Leere Dosen mit einem aktuellen Verlags-Buchcover, in der Leipziger Straßenbahn verteilt, konnten Messe-Besucher gestern gegen eine Dose Tomatensuppe eintauschen.

«Ein Gag», sagt Verleger Holger H. Elias - der kurzzeitig eine Menschenschlange vor dem Stand verursacht. Im vergangenen Jahr wurde der einst renommierte und nach der Wende in den Ruin getriebene Greifenverlag neu gegründet. Künftig wolle er seine Bücher ausschließlich digital statt im Offset-Verfahren drucken, erzählt Elias. So sind kleinere Auflagen möglich. Ab Mai soll die neue Druckerei in der Nähe von Bad Köstritz loslegen.

Auch die Entwicklungen rund ums e-book behält Elias im Auge. Für Fachbücher könnte es jetzt schon interessant sein, in der Belletristik wird er aber wohl erst in sechs Jahren Fuß fassen.

Franziska Nössig / Thüringische Landeszeitung (TLZ)

Mittwoch, 17. März 2010

Thüringer Neuerscheinungen auf der Buchmesse

Für den Greifenverlag in Rudolstadt ist die Messe nach seiner Wiedergründung im vorigen Jahr eine Premiere. «Für uns hat die Leipziger Buchmesse eine riesengroße Bedeutung», sagte Verleger Holger Elias. «Dort kann man den Kontakt zu den Lesern herstellen.» Auf eine Teilnahme bei der Frankfurter Buchmesse, wo vor allem Rechte und Lizenzen gehandelt werden, könnten kleine Verlage dagegen gut verzichten.

Im Gepäck hat Elias Neuerscheinungen wie den Roman «Im Schatten Napoleons» von Paul Elgers, einst viele Jahre Cheflektor des 1919 gegründeten Verlags. «Wir wollen sein gesamtes Werk veröffentlichen.» In dem historischen Roman geht es um Napoleons intriganten Minister Joseph Fouchè, der auch als «Schlächter von Lyon» bekannt wurde. Autorin Katrin Okumafi beschäftigt sich in «Kein Fleckenwasser für Leoparden» mit dem Leben eines Ausländers in Deutschland. Elias: «Das ist ein ganz mutiges Buch, das auf einer wahren Geschichte beruht.»

Antje Lauschner und Andreas Hummel / Mitteldeutsche Zeitung